Halbtoter Rentner


Veröffentlicht am:

Lesedauer:

3–4 Minuten

So, wie versprochen die Geschichte über mein Museumsführungs-Trauma:

Es war ein (noch) schöner Sommertag in 2025. Es war recht warm, aber noch nicht zu heiß. Ich hatte bereits Herzflattern und war zehnmal auf Klo bevor die Führung begann. Es war zurückgeblickt einer meiner letzten Führungen, die ich zumindest auf dieser Arbeit machen müsste. Auf dem Plan stand eine große Rentner-Gruppe (wo der jüngste Anfang 70 war), die wir aufteilten und zwei Personen jeweils eine kleinere Gruppe führten.

Es gibt 3 Stationen während der Führung und alles dauert ca. 1 Stunde, meistens aber ein bisschen weniger. Angekommen am Ende der 1. Station geh ich weiter zur nächsten. Als nach paar Minuten immer noch welche fehlten, ging ich zurück, um zu sehen, wo der Rest bleibt. Ich komme rein und dachte mir schon „Was ist denn hier los??“. Ein älterer Herr saß bereits relativ benommen in einem Stuhl (Museumsausstellungstück btw) und wird von drei anderen mit Wasser versorgt und festgehalten. Sie meinten, dass er einfach umgekippt ist, als ich gerade zur Tür raus war.

In meinem Kopf war ab da nüscht los. Ich hatte absolut keinen Plan, was jetzt zu tun war. Problem: ICH war die „Museumsmitarbeiterin“ und somit Ansprechperson. Ab da hätte ich mich glatt dazu legen können, da bei mir sich auch schon langsam anfing alles zu drehen. Aber drei- zweimal durchgeatmet gings wieder.

Der Herr war die meiste Zeit bewusstlos, dann war er wieder kurz da, dann wieder weg. Zwischendurch hat er sogar kurz geschnarcht. Er war komplett nass geschwitzt und hatte auch keine Ahnung was los ist. Ich war komplett überfordert und hatte so Schiss, dass ich den gleich mit Herz-Druck-Massage wiederbeleben muss.

Kurz später kam ein Kollege von mir rein (er hatte die andere Hälfte geführt). Er checkt die Lage und ich sag auch noch „Ja, dem Herrn geht es absolut nicht gut, er ist gerade einfach umgekippt“ und er fragte mich doch allen Ernstes, ob er jetzt hier rein kann, die Führung weiter machen. Da „Bist du noch ganz knusper?“ keine meiner Antwortoptionen sein konnte, meinte ich bloß, dass gerade etwas ungünstig sei. Er ging dann auch einfach wieder (stellte sich im Nachhinein heraus, dass er Ersthelfer ist, aber er ist einfach wieder gegangen ist ohne mir oder geschweige denn, dem halbtoten Opa zu helfen).

Immer noch überfordert und mutterseelenallein stand natürlich die Frage im Raum, was jetzt zu tun ist. Krankenwagen rufen, war die Antwort. Da ich die Einzige war, die die Adresse konnte (was mich ehrlich gesagt auch sehr in dieser Situation überrascht hat), bekam ich auf einmal ein Handy in die Hand gedrückt und musste den Krankenwagen anrufen. Ich schilderte, was Sache ist, während mich die anderen Rentner von der anderen Seite zu bombardierten. Ich kann nicht mal mehr sagen, wer von uns beiden aufgelegt hat oder was ich genau noch zu dem Typen von der Notrufzentrale (der war wirklich nett und verständnisvoll mit meinem rum Gestotter) gesagt habe, aber Krankenwagen war unterwegs.

Ich war da eigentlich schon bereit für Feierabend und völlig fertig (können wir bitte gehen?), aber es war noch am Vormittag und die Führung wurde ja bis jetzt nur unterbrochen, das heißt, ich musste danach noch eine weitere halbe Stunde weitermachen. Der Krankenwagen kam dann irgendwann und kümmerte sich um den umgekippten Rentner und die Führung war auch kurz darauf fertig. So wie ich.

Und deswegen liebe Leute sollten Rentnergruppen im Sommer immer abgelehnt werden ^^ Am Ende hab ich nicht mal Trinkgeld bekommen… Eine Woche später ist eine Schülerin während der Führung fast umgekippt. Ab da war ich mit dem Thema Führung durch. Das mach ich nicht mehr mit.

Trauma zu Ende –

Das wars fürs Erste!
Schönen Tach noch :3 Tschöß

, ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert